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Jahresrückblick '17

Ich gab ihm einen Kuss und drückte mich an ihn, während hinter uns viele Raketen mit einem lauten Pfiff sich in die Luft erhoben und das dunkle Himmelszelt erleuchteten. Ein Glas Feigling auf ex kippend, ließ ich mich vor dem Pc nieder. Ich schüttelte mich, als das Getränk meine Kehle runterlief. So lange habe ich nichts mehr getrunken. Warum sollte ich auch? Es hat sich viel geändert, seitdem ich zum ersten Mal die Zahl 2017 schrieb.

Es war kalt und trostlos. Wie eine Welt ohne Farben aussieht? Nicht sehenswert. Zum hinlegen und nie wieder aufstehen. Eine unendliche Leere, die man nicht füllen kann. Die Schule wurde immer mehr zur Last und irgendwann ging ich nicht mehr hin. Ich spielte Hausfrau, während meine Mum in der Psychiatrie saß und weinte. Mir war auch nur zum heulen. Es fing an mit unnormaler Wut, die in mir brodelte und die kleinste Bemerkung brachte mich zum platzen. Die Wut ging in Trauer über und die Trauer endete in leblosigkeit. Manchmal starrte ich nach draußen und hielt mir den Kopf fest, auf dass alle Gedanken ruhig sind und ich endlich wieder lächeln darf. Vor mir lagen leere Packungen mit Zigaretten und ein Glas voll Alkohol.

Mein Geburtstag war nicht existent. Ich wünschte mir, dass die Leere in mir gefüllt wird und dass alles wieder gut ist. Noch ein Wunsch, der nur auf einem aufgeweichten Blatt zu lesen war, welches zugleich gefaltet und ins Wasser gelassen wurde. Eine Kerze für mich und ein Grablicht für mein Leben. Alles Gute, Lea. Und ehe ich mich versah, saß ich in der Klinik. Mit viel Zigaretten aber ohne Alkohol.

Zum ersten Mal lernte ich, mich für mich einzusetzen. Stellte die Klinik auf den Kopf, beschwerte mich bei der Oberärztin. Fand Freunde, die später zu Feinden wurden. Meine Mum wurde irgendwann entlassen. Dann sah ich sie nicht mehr, wenn sie zur Ergo kam. Dann hatte ich ruhe. Die Farben kamen zurück, es wurde wärmer. Kunsttherapie und Ergo halfen mir, mich gut zu fühlen und die langweilige Zeit zu überbrücken. Aber nach Hause wollte ich nicht. Von der Tagesklinik dann nach ein paar Stunden wieder zurück auf meine Station. Tagesklinikstatus. Mama hatte Geburtstag. Mir? Mir ging es gut. Ich suchte Kontakt zu der Person, die mein Leben unbewusst komplett machte. Die mir so fehlte. An die ich oft dachte, aber die Gedanken und Trauer in Alkohol und Rauch auflöste.

August. Wir kamen zusammen. Mir ging es gut. Sehr gut. 'Aus uns wird nie was ernstes', sagte ich damals. Doch ich habe mich geirrt. Gott, bin ich froh, dass ich mich irrte. Nach viel Vorbereitung in der Therapie, fasste ich mir ein Herz und wir trafen uns bei mir. Er hielt mich fest im Arm und wir schauten in die Sterne und ich fühlte, dass es richtig war. Dass ich nun angekommen bin. Das war der Anfang von meinem Leben. Ich mag mein Leben. Ich liebe mein Leben.

Das Leben ist schön.

Wir hatten nicht viel Geld. Konnten uns selten sehen. Es ist schwer, wenn er geht und ein Teil meines Herzens mit ihm. Aber man gewöhnt sich dran. Ich halte mir unsere Zukunft vor Augen und lasse diesen Gedanken nicht los.
Es wird kälter. Ich gehe wieder zur Fahrschule und lerne...manchmal.
Mama war wieder in der Klinik. Ihr gefiel es dort aber nicht und nach nur ein paar Tagen war sie wieder hier. Die Farben gingen draußen doch mein Herz hielt sie fest. Ein Winter, den ich überleben würde. Leben.

Durch die Arbeitsagentur hatte ich Chance auf einen Schulplatz, den ich auch bekam. Praktikum in der Ergotherapie und einen Tag Schule. Klingt gut.
Wir kauften uns ein neues Auto, welches ein paar Tage später kaputt war. Doch der Fahrer lebte. Mein Papa hat einen Schutzengel. So viel Stress um ein neues Auto kurz vor Weihnachten. Meine Familie war ein reinstes Nervenbündel und meine Mama weinte viel. Mein Freund gab mir Kraft, das alles zu überstehen. Und es klappte.

Meine Mum wird bald wieder Noteingewiesen. Doch das ist okay. Ich schaffe das. Wir schaffen das. Er schenkte mir Sterne, die mich auch am Tage begleiten. Und alles ist gut. Dann war er wieder hier. Ich gab ihm einen Kuss und drückte mich an ihn, während hinter uns viele Raketen mit einem lauten Pfiff sich in die Luft erhoben und das dunkle Himmelszelt erleuchteten. Ein Glas Feigling auf ex kippend, ließ ich mich vor dem Pc nieder. Ich schüttelte mich, als das Getränk meine Kehle runterlief. So lange habe ich nichts mehr getrunken. Warum sollte ich auch?

Ich habe große Angst vor der Schule und dem Praktikum. Ich habe Angst vor Verantwortung. Aber ich bin nicht alleine. Ich spüre, wie er meine Hand hält und mir einen Kuss auf die Stirn gibt und wie leise die Sterne für mich singen.
Dieses Mal bekommst du mich nicht so leicht runter, flüstere ich in die alte Dunkelheit und trete ins Licht. Hallo 2018. Ich bin Lea und ich weiß, dass wir dieses Jahr gut überstehen.
1.1.18 08:13


Die Leoniden! So viele Sterne am Himmel. Ich spürte keine Kälte. Ich spürte keine Angst. Ich schaute nach oben und sah eine Sternschnuppe.
Die ganze Zeit konnte ich nur an eine Person denken. Eine Person, dank der ich jeden Tag einfach nur glücklich bin. Ich gab ihr mein Herz und mein Leben und ich bereue es keinen Tag. Ich freue mich schon, wenn sie wieder bei mir sein kann. Wisst ihr, diese Person hat so schöne Augen und ein Lachen, dass einen direkt zum lächeln bringt. Meine Liebe zu ihr ist tausend mal so viel wie zu den Sternen. Und ich wünschte, wir hätten dieses Spektakel zusammen bewundern können. Aber nächstes Jahr ist er da. Legt seine warmen Arme wieder um mich und ich kann mich sicher fühlen. Ich wusste lange nicht, wie schön Liebe sein kann. Aber es ist ein wundervolles Gefühl. Der Gedanke an ihn lässt mein Herz erblühen und bei jedem getippten Wort, kommt mir nur lächeln auf die Lippen.
Ich liebe es am Leben zu sein und ich liebe es, mit ihm zusammen zu leben. Zwei Herzen schlagen wie eins und tausend Sterne schauen uns zu.
Wenn du das liest.. irgendwann. Ich liebe dich. Über alles. Das musste ich einfach mal los werden, nach so viel Trauer in mir. Für jeden kommt die Zeit, in der man einfach nur das Leben genießen darf. Und ich danke diesem einen Menschen dafür. Danke.
19.11.17 00:51




Too often, it is easy to forget that which we cannot see.
12.8.17 00:26


Wie es mir heute geht? Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich weiß wieder, warum ich versuche, Leute zu schützen, indem ich untertauche und den Kontakt abbreche. Wenn mir eine Person viel bedeutet, begebe ich mich auf ihre Ebene. Widme ihr mein Leben und mein Dasein. Und manche Leute, wissen nicht was sie tun, wenn sie anders sind. Wenn sie sich komisch verhalten. Und ich gebe ihnen nicht die Schuld dafür, dass mich das mitnimmt und beeinflusst, nein. Ich gebe mir die Schuld, dass ich so bin, wie ich bin. Denn ich hasse es.

Meine Mutter ist wieder in der Klinik und hat bei unserem Besuch nur geweint und gesagt, dass sie raus wolle. Sie wollte sogar wie ein kleiner Hund, den wir gerade ins Heim gegeben haben ins Auto mit und nach Hause. Ich denke, sie haben ihr nun höhere Medikamente gegeben, denn nachdem sie aus dem Arztzimmer kam, war sie ein wenig ruhiger und müde. Ich hoffe, dass es ihr gut tut letztendlich. Ich will keine normale Familie mehr, um Gottes Willen, nein. Aber ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren wenn ich weiß, dass einen Raum unter mir meine Mutter sitzt und den ganzen Tag weint.
Nun und jetzt geht es mir auch wieder schlechter. Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Ich habe das Gefühl, dass ich egal bin und alles falsch mache. Dass er mit mir nicht umgehen kann, was viele nicht können. Nicht mal ich selbst. Und ich weiß, dass es mir das Herz zerreißen wird, wenn sich das nicht ändert. Ich habe wieder das Gefühl, dass ich ihn schützen muss. Dass ich gehen muss. Ganz gehen. Dabei lief es doch alles jetzt so gut. Dabei war doch alles okay. Ich habe mir den ganzen Tag nun vorwürfe gemacht, überall geschaut und gefragt, ob er da ist und ob er sich anders benimmt um zu schauen, ob es ihm schlecht geht oder ich schuld bin. Vielleicht mache ich mir wieder zu viele Gedanken aber so bin ich eben und ich wünschte, ich könnte meinen Kopf ausschalten. Ich wünschte, ich könnte wieder durchschlafen. Ich wünschte, ich würde im See schwimmen und langsam versinken.

Ich habe mein Handy ausgeschaltet. Ich denke, es ist besser, wenn man Ruhe vor mir hat und ich niemanden mehr schreiben kann fürs erste. Ich denke, ich gehe jetzt erstmal raus und schaue mir einen Film an oder so. An unserem Tag. Fuck.

3.8.17 20:58


Ich merke immer wieder, wie schnell ich mich vor allem verschließe. Kann dann nichts mehr machen, bin nicht mehr ansprechbar, bin einfach weg. Vielleicht bin ich in dem Moment gerade in den Lüften. Ein Vogel, der seine Beute jagt und vom Wind hin und her geschubst wird. Vielleicht bin ich aber auch die kleine Maus, die gerade um ihr Leben rennt.Ich bin möglicherweise der Wind, der Weg, der große Baum am Ende der Straße, der für so viele ein Zuhause ist. Als ich die Augen wieder öffnete, stand ich schon an diesem einen Feld. Dort, wo die Welt ein eigenes Lied singt und dich auffordert, ein wenig mitzusingen. Der Wind spielt mit deinen Sorgen und Ängsten, bis du diesen Platz verlassen musst. Er lehrte dir, dass du die schlechten Menschen ziehen lassen musst und die, für die es Zeit war zu gehen. Er erklärt, dass alle nun auf verschiedenen Böen mit ihm wehen und so immer eine gute Spur hinterlassen. Manche sind voller Wut und pusten Menschen und Häuser um, andere bringen uns die nötige Energie und helfen uns bei der Saat. Er lockte mich schon oft und bat darum, dass ich auch zu ihm komme; doch ich lehnte ab. An Tagen wie diesen wünsche ich mir, dass ich nicht abgelehnt hätte. In dem Moment wachte ich auf und stand am Bahnhof, wo mein nächster Zug in Richtung Wunstorf ging.
16.6.17 07:31


Nun bin ich schon seit 7 Wochen oder so in der Klinik. Sobald ich daheim bin, geraten Mama und ich aneinander. Ich wünsche mich gerade zurück auf meine Station in mein Zimmer, auch, wenn über dieser Psychiatrie ein düsterer Schleier hängt, seit jenem Tag..

Es war ein sonniger Donnerstag Morgen. Kinder spielten im Park, Patienten sonnten sich
und ein Mädchen brachte sich um.
14.5.17 11:52


19

Happy Birthday to me
17.3.17 11:28


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